2005-09-23 Frankreich näher rücken

Rengsdorf besiegelt Verbindung mit Saint-Pierre-le-Moûtier - Partnerschaftsverband: Chance nutzen

Zum 146. Mal knüpfen eine rheinland-pfälzische und eine burgundische Kommune offizielle Bande: An diesem Wochenende unterzeichnen Rengsdorfs Ortsbürgermeister Karlheinz Kleinmann und sein Kollege Francois Clostre aus Saint-Pierre-le-Moûtier die Partnerschaftsurkunden. Ein Akt, der selten geworden ist, berichtet die Generalsekretärin des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz / Burgund, Martine Durand-Krämer.

Die Erbfeindschaft ist überwunden. Deutsche und Franzosen sind längst gute europäische Nachbarn geworden. Viele Bundesbürger haben jenseits des Rheins Freunde gewonnen. Fast 150 Gemeinden aus Rheinland-Pfalz und Burgund sind bereits offiziell miteinander verbunden.

Entsprechend sind die Anfragen nach Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Kommunen selten geworden, weiß Martine Durand-Krämer, Generalsekretärin des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz / Burgund. Ihren Worten nach ist Rengsdorf in diesem Jahr die einzige Gemeinde im Land, die mit einer burgundischen Kommune offizielle Bande knüpft. Die Rhein-Zeitung sprach mit Martine Durand-Krämer über Anforderungen und Chancen der Verbindung.

Rengsdorf hat sich vergleichsweise spät für eine Partnerschaft mit einer französischen Gemeinde entschieden. Inwiefern macht die Verbindung heute Sinn?

Es ist richtig, dass die meisten dieser Partnerschaften in den 60er- und 70er-Jahren entstanden sind. Die Gründergeneration stirbt aus. Viele dieser Menschen standen sich im Zweiten Weltkrieg noch als Feinde gegenüber. Für die Jugendlichen heutzutage ist die deutsch-französische Freundschaft hingegen schon etwas Selbstverständliches. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass eine kommunale Partnerschaft auch heute noch Früchte trägt. Deshalb unterstützen wir nach wie vor alle Gemeinden, die eine solche Verbindung eingehen möchten. Wir sind optimistische, dass es im Jahr 2006 zu zwei weiteren Partnerschaften in Rheinland-Pfalz kommen wird.

Was müssen die Rengsdorfer tun, um die Partnerschaft zu Saint-Pierre-le-Moûtier auf Dauer mit Leben zu füllen?

Es ist wichtig, dass die Partnerschaft Bestandteil des alltäglichen Lebens wird. Es muss selbstverständlich sein, dass die Freunde aus der Partnerkommune bei wichtigen Ereignissen dabei sind. So kann sich eine Trachtengruppe aus Frankreich am Karnevalsumzug beteiligen. Im Gegenzug reist dann eine deutsche Delegation am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, ins Nachbarland. Meiner Erfahrung nach haben auch die Vereine und die Schulen immer viele Ideen für gemeinsame Projekte. Wichtig sind außerdem persönliche Kontakte: Es ist nicht selten, dass durch die Partnerschaft eine dauerhafte Freundschaft entsteht, die aus dem Familienleben nicht mehr wegzudenken ist. Heiratet zum Beispiel der Sohn oder die Tochter, sind die Freunde aus Burgund selbstverständlich dabei.

Persönliche Kontakte lassen sich auch ohne die Vermittlung einer Kommune herstellen. Wo sehen Sie den Vorteil einer beurkundeten Partnerschaft?

Die Gemeinde wirkt in diesen Fällen als Antriebsmotor. Ohne diesen Motor entstehen persönliche Kontakte erfahrungsgemäß seltener. Die Kommunen nehmen außerdem administrative Aufgaben wahr, organisieren zum Beispiel Fahrten nach Burgund. Die Gemeinden, die Mitglied im Partnerschaftsverband sind, werden von uns finanziell unterstützt. Sie bekommen für Reisen nach Frankreich einen Fahrtkostenzuschuss in Höhe von 20 Prozent der entstandenen Kosten. Der beträgt zur Zeit allerdings höchstens 200 Euro.

Das heißt: Die Gemeinde legt vor, die Bürger müssen nachziehen?

Man braucht in jedem Fall eine Seele, die das Ganze füllt. Eine solche Partnerschaft erfordert von den Bürgern viel ehrenamtliches Engagement, bringt aber auch viel Freude mit sich. Sie erweitert den Horizont und bringt und den Begriff Europa näher.

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