2010-01-22 Sieben Gemeinden knüpften Freundesbande

Städte, Orte und VGs im Kreis Neuwied schätzen den Kontakt mit dem Nachbarland Frankreich - Im Frühjahr und Sommer stehen viele Jubiläen an

Über Jahrzehnte war Frankreich für Deutschland der "Erbfeind", mit dem man nichts zu tun haben wollte. Bis Adenauer und de Gaulle in den frühen 60ern den Freundschaftsvertrag besiegelten. Im Kreis Neuwied erfüllen gleich sieben Partnerschaften Kommunen mit Leben.

Die Mutter aller deutsch-französischen Partnerschaften im Kreis Neuwied liegt an der Wied. Die Tinte unter dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag (Élysée-Vertrag), den Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 unterzeichneten, war gerade getrocknet, als auch die Verbandsgemeinde Waldbreitbach und die Gemeinde St. Honore les bains im französischen Burgund erste freundschaftliche Bande knüpften. Am 30. April 1963 wurde die Urkunde offiziell unterzeichnet.

Zwei Jahre später entschied sich auch Rheinbrohl für freundschaftliche Beziehungen zum Nachbarland. Seit 45 Jahren hält die Partnerschaft mit Bourcefranc im Departement Charente Maritime, die am 15. August 1965 begründet wurde.

In der Verbandsgemeinde Puderbach ist man seit dem 12. Juli 1970 mit dem Canton Barenton in der Normandie fest verbandelt. Die Stadt Bad Hönningen unterzeichnete am 30. Mai 1980 den Partnerschaftsvertrag mit der Stadt Saint Pierre Les Nemours (liegt im Großraum Paris) und die Stadt Linz am 10. Oktober 1987 mit der Stadt Pornic. Offizielle Partner seit dem 13. Mai 1995 sind auch die Stadt Dierdorf und Courtisols in der Champagne, während die Jumelage von Rengsdorf und Saint-Pierre-le-Moûtier im Département Yonne, besiegelt am 24. September 2005, quasi noch in den Kinderschuhen steckt.

Auf den ersten Blick kaum zu glauben, aber die Partnerschaft zwischen Puderbach und Barenton hat ihre Wurzeln im Zweiten Weltkrieg: François Lelièvre, ein Lehrer, kommt als Kriegsgefangener auf den Bauernhof der Familie Schwarz in Raubach (siehe Artikel "Warmes..."). Die freundliche Behandlung vergisst Lelièvre nicht, nach Kriegsende meldet er sich wieder, private Besuche folgen. In der VG Puderbach findet seine Idee, eine Partnerschaft zu gründen, große Zustimmung. Im Juli 1970 wird der Vertrag von den Bürgermeistern Dr. Emile Bizet und Hans Velten unterzeichnet. Das 40-Jährige ist den Partnern im Sommer eine große Feier wert. Seit 1971 lernten mehrere Tausend französische und deutsche Schüler das Leben in den jeweiligen Gastfamilien kennen. Längst gibt es auch einen Partnerschaftsverein, dessen Mitgliederzahl wächst und der sich mit dem Vorsitzenden Manfred Pees unter anderem um die Pflege und Vertiefung partnerschaftlicher Beziehungen auf öffentlicher und privater Ebene kümmert.

Quasi noch ein "Kleinkind", aber schon sehr aktiv, ist die fünfjährige Partnerschaft zwischen Rengsdorf und Saint-Pierre-le-Moûtier. Ursprünglich hatten die Westerwälder Interesse an einer Gemeinde im Elsass, jetzt ist man sehr zufrieden mit der Gemeinde in Burgund. "Der Ort ist etwa so groß wie wir. Es gibt viel Landwirtschaft", erläutert Günter Ballmann, Ratsmitglied und Vorsitzender des Freundeskreises Rengsdorf/Saint-Pierre-le-Moûtiere, der mehr als 50 Mitglieder hat. Der Austausch erfolgt rege, auf kommunaler Ebene und auch auf Vereinsebene. Besonders aktiv war die ASS (Alternative Sport- und Spielgemeinschaft) Rengsdorf. Die Mitglieder radelten vor drei Jahren 750 Kilometer bis nach Frankreich. "2008 folgte der Gegenbesuch des französischen Radsportklubs - pünktlich zu 1150 Jahre Rengsdorf", so Ballmann. Im Frühjahr machen sich die Rengsdorfer wieder auf den Weg. Dann steht auch eine erste Begegnung junger Leute an. Mit dabei werden 12- bis 16-Jährige sein. Ein Schüleraustausch ist nicht möglich, denn Rengsdorf hat nur eine Grundschule.

In Puderbach und Dierdorf läuft der Schüleraustausch bereits seit vielen Jahren. Und auch die Dierdorfer haben bald Grund zum Feiern. Die Freundschaft zwischen der Stadt im Westerwald und Courtisols in der Champagne wurde am Mai 1995 offiziell besiegelt. Von Anfang an ging es darum, die Partnerschaft möglichst breit zu streuen, betont Stadtbürgermeister Thomas Vis im Gespräch mit der RZ. Natürlich gibt es auch in Dierdorf einen Freundeskreis, Vorsitzender ist Ewald Visel. 15 Jahre Partnerschaft werden im Mai in Dierdorf gefeiert. Geplant ist ein Fußballspiel und - Premiere in der Stadt - erstmals ein deutsch-französischer Markt.

47 Jahre sind vergangen, seit der damalige Waldbreitbacher Amtsbürgermeister Josef Becker die Partnerschaftsurkunde mit der Gemeinde St. Honore les bains in Burgund unterzeichnete. Es war der erste deutsch-französische "Freundschaftsvertrag" auf Kreisebene überhaupt. Der rege Austausch der frühen Jahre - auch auf Vereinsebene und bei der Feuerwehr - ist nicht mehr ganz so intensiv, wie die RZ bei der Verbandsgemeindeverwaltung erfuhr. Der Schüleraustausch zwischen der Deutschherrenschule in Waldbreitbach und St. Honore läuft weiter. Kürzlich waren die Freunde aus Burgund wieder einmal hier: Zur Verabschiedung von Bürgermeister Alfons Becker kam auch die Bürgermeisterin der Partnergemeinde.    Gudrun Kaul

Ganz schön sportlich: Radler aus Rengsdorf und St. Pierre trafen sich in St. Benin. Foto: Rolf Weingarten

Gudrun Kaul
RZ vom 22.01.2010

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